Eine Woche im Ferienhaus "Blanken"

Samstag

Voller Vorfreude wurden wir von der Durchsage auf der Fähre geweckt. In einer Stunde legt das Schiff am Hafen in Trelleborg an. Da wir den fehlenden Schlaf durch die Nachtfahrt nach Rostock in unserer Schlafkabine nachgeholt haben, starteten wir den frühen Nachmittag erst mal mit einer Tasse Kaffee im Bordrestaurant. Von dort hat man einen schönen Blick auf das Meer und die immer näherkommende Küste. Nachdem wir all unsere Sachen aus der Kabine geholt haben, machten wir uns auf nach draußen zum Sonnendeck. Der erste Eindruck, den man in Trelleborg von Schweden erhält, hat uns doch etwas enttäuscht. Wir hätten sofort eine weite grüne Waldlandschaft erwartet. Sowas gibt es aber in Skone, die Kornkammer Schwedens, noch nicht. Erst nachdem man sozusagen das Bundesland verlassen hat und nach Blekinge kommt, wurden all unsere Erwartungen erfüllt.

Für einen kleinen Snack machten wir in Trelleborg erst noch einen kurzen Stopp bei Maxi, einem schwedischen Supermarkt, der direkt am Hafen liegt. Die Größe des Marktes erinnert gleich an amerikanische Verhältnisse. Von Kleidung, über Elektronik, bis hin zu den typischen schwedischen Lördagsgodies, was übersetzt in etwa Samstags-Süßigkeiten heißt, deren Name übrigens daher kommt, weil es in Schweden früher nur an Samstagen erlaubt war Süßigkeiten zu kaufen und zu essen, gibt es alles Mögliche zu kaufen. Auch wenn die Preise leicht höher sind als in Deutschland, macht es trotzdem Spaß, sich durch das schwedische Sortiment zu shoppen. Produkte wie Käse mit Speckgeschmack aus der Tube, verschiedenste Krebsvariationen, grünes Fanta oder Vanillebrot sind uns besonders ins Auge gestochen.


 

 

 

 

Gut versorgt für die Weiterfahrt führte uns der Weg zum gemieteten Ferienhaus über Malmö, Kristianstad und Ronneby über mittelmäßig frequentierte, gut ausgebaute Landstraßen, die in Schweden allerdings als Autobahnen gelten. Auf dem letzten Wegabschnitt kurz vorm Ziel, nachdem man bei Ronneby die Autobahn verlässt, fuhren wir durch tiefe Wälder und bekamen schon erste Seen zu Gesicht. Auch die typisch rot-weißen Holzhäuser gibt es nicht zu knapp. Die Idylle dieses Landes kann man irgendwie bereits beim Autofahren erleben. Auch unser Ferienhaus „Blanken“ entsprach soweit allen Klischees inklusive gehisster Schwedenflagge.

Nachdem wir die Schlüssel erhalten haben und all unsere Sachen in den Zimmern verstaut und uns eingefunden haben, ließen wir den Abend noch gemütlich auf der Terrasse ausklingen.

Sonntag

Unser erster richtiger Urlaubstag startete gleich recht früh. Wir wollten unbedingt zum Flohmarkt nach Ronneby. Auf dem Weg zum Parkplatz merkt man einen großen Andrang. Direkt an der Einfahrt wurden schon Blaubeeren und Pfifferlinge „to go“ verkauft. Der richtige Markt befindet sich in mitten eines großen Stadtparks, dem Brunnspark. Um alle Stände abzuklappern, sollte genügend Zeit eingeplant werden. Bisher ist es noch möglich den Verkäufern Bargeld zu geben, die meisten bezahlen allerdings jetzt schon per App, bis 2021 wollen die Schweden jegliches Bargeld allerdings abschaffen. Selbstverständlich sind auch wir hier fündig geworden mit einer Oldtimer-Spardose und drei retro Dekoschilder. Im Anschluss haben wir das benachbarte Café Mandeltartan besucht. Eine hausgemachte Mandeltorte und eine Tasse Kaffee zum selber nachfüllen musste sein. Trotz der urig-verrückten Einrichtung hat es uns doch mehr nach draußen gezogen, denn dort hat man einen tollen Blick über den kleinen Fluss auf das quirlige Flohmarkttreiben. Frisch gestärkt haben wir noch einen Teil des restlichen Parks erkundet und dort auch eine Runde Minigolf gespielt.


 

 

 

 

Bevor es wieder zurück zum Ferienhaus ging, haben wir noch einen kurzen Halt bei Lidl gemacht und uns für die kommende Urlaubswoche eingedeckt. Im vorübergehenden Zuhause angekommen, erkundeten wir erstmals die beiden Hausseen. Da wir ein Boot am Stora Blanken gebucht haben, ließen wir es uns nicht nehmen und ruderten gleich eine Runde auf dem Wasser. Da sich der See aber doch als größer als gedacht herausgestellt hat, da vom Steg aus nur der kleinere Teil zu sehen ist, haben wir bei weitem noch nicht alles erkundet. Abends am Haus wurde dann noch die Grillhütte im Garten eingeweiht.

Montag

Heute gingen wir den Tag ganz entspannt an. Nachdem sich jeder ordentlich ausgeschlafen hat, trafen wir uns zu einem ausgiebigen Frühstück im Garten. Die Sitzgruppe haben wir uns zuvor an ein schön sonniges Plätzchen gestellt. Es kamen köstliche schwedische Leckereien, die wir am Tag zuvor eingekauft haben, auf den Tisch. Zimtschnecken, Blaubeer-Vanille-Brot, Brötchen mit gesalzener Butter, Salami, Schinken usw. usw.

 

Kurz vor Mittag haben wir im Esszimmerschrank neben einigen Spielen auch Boccia Kugeln entdeckt. Nach ein paar Spielrunden draußen haben wir dadurch nahezu das ganze Haus einmal umrundet. Danach wurde die Hängematte, wie auf den Bildern des Ferienhauses zu sehen ist, zwischen zwei Birken gespannt und flaniert. Diese Gelegenheit musste natürlich voll ausgenutzt werden, denn im Haus lagen auch verschiedene Bücher aus. So ergab es sich, dass wir einmal im Leben so real wie nie zuvor in die Geschichte von Michel aus Lönneberga eintauchen konnten.

 

 

 

Um 16 Uhr fanden wir uns pünktlich zur Elchfütterung in dem nahegelegenen Elchpark Räntemala ein. Praktischerweise sprechen die Betreiber auch deutsch und erzählen während der Fütterung interessante Geschichten über Ihre Elche. Zum Beispiel büxte Karl Gustav letzten Sommer aus dem Gehege aus, ausgerechnet zur Elchjagd-Saison, und kam mit einem Loch im Ohr, ganz verschreckt, freiwillig wieder zurück. Währenddessen wurden Brote verteilt, die uns die Tiere direkt aus der Hand fressen konnten. Natürlich versuchten wir ein Selfie mit einem Elch zu machen. Auch super süße Jungtiere gab es zu bestaunen. Nachdem ausreichend Fotos geschossen wurden, schauten wir uns noch in dem kleinen Souveniershop um. Auch hier wurden wir selbstverständlich wieder einmal fündig.

Nach einem ausgewogenen Tag und voller neuer Eindrücke beschlossen wir abends dann noch in die Sauna zu gehen. Die Kröning wäre es gewesen zur Abkühlung direkt in den See zu springen. Allerdings waren wir einfach zu bequem und der Weg erschien uns in diesem Moment zu aufwendig, weshalb es dann doch nur eine kurze Dusche durch den Gartenschlauch wurde.

 

Dienstag

 

Auch heute starteten wir erst spät. Auf dem Plan stand eine Wanderung, die wir aus der Wanderkarte im Ferienhaus hatten. Wir entschieden uns für den Wanderweg Stora Asjön. Mit dem Auto fuhren wir bis zur Ortschaft Blåningsmåla. Da uns diese kleine Häuseransammlung direkt am See so gefiel, starteten wir bereits ab dort unsere Wanderung. Somit haben wir auch einen Teil des Wanderweges Lila Asjön mitgenommen. Nachdem wir den kleinen See hinter uns gelassen haben und an der beschriebenen Mühle vorbeigekommen sind, führte uns der Weg entlang eines Flüsschens zu einem verlassenen Camp. Womöglich kommen hier hin und wieder Jugendgruppen her, denn es sind Hütten, Lagerfeuerplätze und sogar eine Sauna in einem Militärwagen, direkt am See Stora Asjön, vorzufinden.

Es wäre schon sehr charmant gewesen, hier eine erste Snackpause einzulegen. Wir wussten aber von den Fotos der Wanderkarte, dass uns noch eine schöne große Plattform am See erwartete. Als wir die Stelle erreicht haben, waren wir jedoch etwas enttäuscht. Wir sahen schon von weitem ein Fahrrad. Es badete dort ausgerechnet gerade eine junge Schwedin. Wir nahmen an, dass sie zu den Besitzern des Steges gehörte und laut dem Jedermannsrecht soll man die Personen dann natürlich nicht stören. Das Mädchen hat uns allerdings bemerkt, als wir vorbeiwandern wollten und meinte, wir können ruhig herkommen, da sie ohnehin gerade gehen wollte.

Nach der unverhofften Pause wurde der weitere Wanderweg schwieriger zu begehen, weil der Pfad ziemlich zugewachsen ist. Das hat für uns allerdings nur den Abenteuereffekt gesteigert. Den letzten Stopp haben wir auf der anderen Seite des Sees eingelegt, ebenfalls an einem wohl privaten Sandstrand mit Saunahäuschen und Steg. Wenn dort keine Besitzer in Sicht sind, eignet sich diese Stelle hervorragend zum Baden, denn auch der Ausblick auf den See ist wunderschön.

 

Am späteren Nachmittag besorgten wir uns eine Angelkarte, um den See leer zu fischen. Die Karte kauften wir in Eringsboda, die nächste Ortschaft vom Ferienhaus, im kleinen Lebensmittelladen. Mit dem Ruderboot machten wir uns dieses Mal auf den Weg zum größeren Teil des Sees. An einem Felsen am Ufer landeten wir an, da bereits einen Fisch am Haken zu spürte war. Wie sich herausstellte, war unser Blinker allerdings größer als dieser Vielfraß. Nach weiteren etlichen Versuchen, schafften wir es aber doch einen Hecht an Land zu ziehen.

 

 

Natürlich beschlossen wir dann, die Beute gleich am selben Abend noch zu verspeisen. Deshalb haben wir auch diesen Abend wieder gemütlich in der Grillhütte verbracht, bis es leider zu regnen begann.


Mittwoch

 

Leider lies der Regen auch an diesem Tag noch nicht nach. Wir beschlossen einfach das Beste daraus zu machen und fuhren nach Växjö zum Shoppen. Da es die größte Stadt der Umgebung ist, erhofften wir uns eine große Auswahl an Geschäften. Wir entschieden uns trotz schlechtem Wetter für die Fußgängerzone in der Innenstadt, anstelle des Einkaufszentrums außerhalb.  Die Shoppingstraße wäre bei schönem Wetter sicher noch einladender gewesen, denn aufgrund des Wetters fanden wir sie eher verschlafen und ruhig vor. Die Geschäfte haben uns aber nicht enttäuscht und wir konnten ein paar Schnäppchen aufgrund des Rea, dem schwedischen Schlussverkauf, ergattern. Nach dem Einkaufsbummel suchten wir uns in einer Parallelstraße zur Storgatan ein Restaurant in dem es Fish & Chips und Burger für uns gab. Bei schönem Wetter hätten wir gerne noch einen Abstecher in die Domkirche, den Stadtpark und zum Schloss gemacht. Stattdessen erkundeten wir alles kurzerhand soweit es ging mit dem Auto.

Gegen Abend versuchten wir gemeinsam eine typisch schwedische Mahlzeit zu kreieren. Wir kochten Köttbullar mit Preiselbeeren, Kartoffelpüree und Rahmsoße. Danach spielten wir noch eine Runde Karten vor dem Kaminofen.


Donnerstag

Unser vorletzter Urlaubstag verhieß zunächst wieder kein gutes Wetter. Der Regen hat zwar aufgehört, es war aber trotzdem grau in grau. Eigentlich wollten wir den Tag wieder am Haus und in der Natur verbringen und vor allem nochmal Fischen gehen, aber stattdessen beschlossen wir den für morgen vorgesehenen Städtetrip nach Karlskrona vorzuziehen. Das war unser Glück, denn schon auf dem Weg dorthin klarte der Himmel auf. Wahrscheinlich lag das an der Nähe zum Meer.

In Karlskrona angekommen stellten wir unseren Wagen auf dem großen Stadtplatz ab und machten uns zunächst auf in das Marinemuseum. Dort konnten wir sogar ein echtes Uboot von innen begehen. Wir spazierten zurück über die Nils-Holgerson-Statue zum alten Marinehafen. Leider konnten wir ohne geführte Tour, die man über die Touristinfo buchen könnte, nicht viel davon sehen. Wieder zurück am Stadtplatz holten wir uns ein gigantisches Eis von der im Ferienhaus angepriesenen Glassiären Eisdiele. Trotz langer Schlange staunten wir dann nicht schlecht, als wir eine selbstgebackene Eiswaffel mit ganzen neun Kugeln und verschiedenen Toppings in der Hand hielten. Das Eis ist super lecker, nur muss man sich beeilen, bevor alles in der Sonne schmilzt. Mit dem Eis in der Hand schlenderten wir über die Einkaufsstraßen hinunter zum Fisketorget. Hätten wir noch länger Zeit im Ferienhaus, würden wir eine Schärengartentour mit einem Ausflugsboot machen, die dort an- und ablegen. Weiter führte unser Weg am Meer entlang, bis zu einem Aussichtspunkt auf der Insel Saltö, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf Brändaholmen mit den kleinen schwedischen Häuschen und den gehissten Schwedenflaggen hat. Unbedingt wollten wir dort ein Foto von uns machen.

 

 

Nach einem gelungenen Ausflug beschlossen wir auf der Heimfahrt noch einen kurzen Stopp auf dem Bryggarberget zu machen, von dem aus man einen tollen Ausblick über den Hafen Karlskronas auf die Stadt haben soll. Auch hier wurden wir nicht enttäuscht und konnten ein paar schöne Erinnerungsfotos schießen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am frühen Abend kamen wir zurück ins schwedische Zuhause, wo glücklicherweise mittlerweile das Wetter auch wieder besser geworden ist. So konnten wir auf der Terrasse noch gemeinsam Abendessen, bis der letzte Sonnenstrahl hinter den Bäumen verschwand. Sobald die Sonne untergegangen ist, wurde es doch immer recht frisch so ganz ohne Lagerfeuer, deswegen zogen wir uns nach drinnen und machten einen gemütlichen Spieleabend.

Freitag

Schon ist auch der letzte Tag angebrochen. Den Vormittag nutzten wir damit, nochmal unser Glück beim Angeln zu probieren und nochmal den See zu erkunden. Wir entdeckten ein mysteriöses Seil, dass lose im Wasser lag. Zuerst zogen wir es ein wenig aus dem Wasser und man konnte spüren, dass es an etwas befestigt war. Wir waren uns allerdings zu unsicher, als dass wir es ganz herausgezogen hätten. Im Nachhinein sind wir allerdings immer noch neugierig, was das gewesen sein könnte. Eventuell war es eine Krebsfalle, von denen wir allerdings im Internet gelesen haben, dass sie normalerweise an einer Boje angebracht sind.


 

 

Am Nachmittag fuhren wir nach Tving, denn bei der gestrigen Heimfahrt haben wir ein Badeplatzschild entdeckt. Da der Platz auch im Ferienhaus ausgeschrieben ist, statten wir uns mit einer Decke, einem Picknickkorb und einem Ball aus und verbrachten den Tag am Wasser. Es waren auch ein paar schwedische Familien und Kinder vor Ort, die munter badeten.

 

 

 

Die letzten Stunden in unserem Ferienhaus verbrachten wir schon mal vorsorglich mit Packen und Putzen, denn die Heimreise am morgigen Tag sollte schon früh am Morgen los gehen.